AUFSTELLUNGSFIGUREN

ZU DEN PLAYMOBILFIGUREN

FAMILIENAUFSTELLUNG MIT HILFE VON FIGUREN

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Aufstellungsfiguren - Das ideale Handwerkszeug

Familienaufstellungen

Strukturaufstellungen

Organisationsaufstellungen

Playmobil-Set

40 Figuren
im praktischen Beutel
Männer, Frauen, Kinder
in verschiedenen Farben
€ 49,—
Bestell-Nr. 2078

Die Figuren von „Playmobil“ sind beliebte Spielfiguren, die seit langem in fast jedem Kinderzimmer zu finden sind. Aber auch in therapeutischen Praxen, Beratungsstellen und in der Unternehmensberatung finden sie vermehrt Anwendung, um Beziehungssysteme räumlich darzustellen.

Die erfahrene Beraterin Sieglinde Schneider hat in Zusammenarbeit mit dem Hersteller dieses erprobte Figurenset speziell für den therapeutischen bzw. beraterischen Einsatz entwickelt und zusammengestellt. Es ist für Aufstellungen von Familien in der Einzelarbeit ebenso gut geeignet wie im Coaching und der Beratung von Teams und Organisationsabteilungen.

Die 40 Aufstellungsfiguren dieses Sets (15 Männer, 15 Frauen, je 5 Jungen und Mädchen) unterscheiden sich von den bekannten Spielfiguren durch die äußere Gestalt, die Farbgebung und die Größe. Fünf unterschiedliche Farben ermöglichen es, verschiedene Familien-, Team- oder andere Systemzugehörigkeiten hervorzuheben. Innerhalb der Darstellung einer Familie oder eines Teams lassen sich über Kleidung und Haarfarbe weitere Differenzierungen sichtbar machen. Durch die unterschiedliche Größe lassen sich die Stellvertreter von Erwachsenen bzw. von Kindern oder Hierarchieunterschiede in Organisationen und Unternehmen gut darstellen. Das Figurenset ist leicht und damit auch bei externen Beratungsterminen, Workshops und Weiterbildungen gut einzusetzen.

Sieglinde Schneider setzt diese Aufstellungsfiguren seit langem mit großem Erfolg in der Einzelarbeit ein. Sie werden in ihrer menschenähnlichen Gestalt von den Klienten sehr gut angenommen. Aufstellungen mit diesem Figurenset zu praktizieren, kommt in der Intensität dem Erleben von Aufstellungen in Gruppen am nächsten.

Familienaufstellung mit Einzelklienten mit Hilfe von Figuren

von Jakob Schneider

Die Familien- und Systemaufstellungen in Gruppen und die damit verbundene systemische Lösungsarbeit und phänomenologische Psychotherapie haben im psychosozialen Bereich eine derart grundlegende Bedeutung erlangt, daß sie auch in die verschiedenen Formen der Einzeltherapie hineinwirken. Es gibt sehr viele Berater und Therapeuten, die in Kontexten arbeiten, die keine Aufstellungen in Gruppen ermöglichen. Manche trauen sich vielleicht auch die Arbeit mit Gruppen nicht zu. Und dennoch fühlen sie sich von dem Instrumentarium der Aufstellungen in Gruppen und dem sie tragenden Geist zutiefst angesprochen. Sie suchen nach Wegen, die Methode des Familienaufstellens in ihre
Arbeit mit Einzelklienten oder Paaren (oder vielleicht auch Familien und kleinen Supervisionsgruppen) zu integrieren. Eine einfache und direkte Möglichkeit dafür ist die Aufstellung mit Figuren oder Gegenständen, die, auf einen Tisch oder im Raum gestellt oder gelegt, die Familienangehörigen oder die für das gestellte System wichtigen Personen repräsentieren.

Die Figuren

Ich gehe im Folgenden von meiner Erfahrung aus, die sich auf Figurenaufstellungen bezieht. Schon bald nach meinem ersten Erleben von Familienaufstellungen bei Bert Hellinger und meinen ersten Versuchen, damit in Gruppen zu arbeiten, griff ich zu den im Keller schlummernden Playmobilfiguren meines Sohnes und nahm sie in einer Plastiktüte überall mit hin, wo ich mich in der Beratungs- und
psychotherapeutischen Arbeit auf keine Gruppe stützen konnte: in
die Ehe- und Familienberatungsstelle, in die psychosomatische Klinik,
zu kleinen Supervisionsgruppen und in die eigene Praxis.
 Ich „mußte“ das irgendwie tun. Schon nach den ersten Erlebnissen
mit Familienaufstellungen in Gruppen wußte ich, das ist „meine“
Methode und „meine“ Art, therapeutisch zu arbeiten, egal ob in
Gruppen oder mit Einzelklienten. Daß ich für die Figurenaufstellungen zu den Playmobilfiguren griff, geschah ohne große Überlegung.
Sie waren einfach da, praktisch mitzunehmen, sie zeigten
wenig Unterschiede, es gab nur Mann und Frau und verschiedene
Farbkombinationen.
Gott sei Dank habe ich damals niemanden gefragt. So konnte ich
ohne Bedenken und Einwände von außen einfach meine Erfahrungen
mit den Figuren sammeln. Heute gibt es diese einfachen Playmobilfiguren
– soweit ich weiß – nicht mehr zu kaufen. Es ist aber
ziemlich unerheblich, welche Art von Figuren man wählt. (Es gibt z. B. ein sogenanntes Familienbrett mit Holzfiguren im Handel.)
 Ein paar Kriterien für die Figurenwahl möchte ich aber nennen:

  • 
Die Figuren müssen so sein, daß der Therapeut gut damit
arbeiten kann. Man darf dabei nicht auf die Akzeptanz durch
die Klienten schauen. Wenn die Methode und die Hilfsmittel
für den Therapeuten stimmen, dann geht auch der Klient mit
– fast immer.

  • Die Figuren sollten möglichst wenig „Charakter“ haben und
somit die Anschauung möglichst wenig festlegen und auch
möglichst wenig ablenken zu Unwichtigem und Unwesentlichem
hin. Sie zählen nicht für sich, sondern nur in ihrer
räumlichen Projektion für die Angehörigen des gestellten Systems.
(Zur räumlichen Projektion werde ich weiter unten
noch etwas anmerken.)


Es erleichtert die Aufstellungsarbeit mit Figuren, wenn die Figuren
ein paar einfache Unterscheidungen erlauben: Mann und Frau, die 
Blickrichtung und vielleicht noch Farben oder anderes, was eine
 Minimalunterscheidung zwischen den Personen erlaubt. Kleine Figuren
für Kinder sind vielleicht schon ablenkend. Denn sie suggerieren
unter Umständen, sich in der Aufstellung an der Kinderzeit zu
orientieren, und erschweren das „Zeitlose“ der Aufstellungsarbeit.

Die Vorerfahrung mit Aufstellungen in der Gruppe

Noch eine Anmerkung möchte ich machen, bevor ich näher auf die
Aufstellungsarbeit mit Figuren eingehe. Ich selbst arbeite in erster
Linie mit Gruppen. Meine Arbeit mit den Figuren im Einzelsetting ist
ganz an der Aufstellungsarbeit in Gruppen orientiert. Ich kann mir die Figurenaufstellungen ohne die Erfahrung mit Gruppenaufstellungen
nicht vorstellen. Ich denke deswegen, man braucht für gute
Figurenaufstellungen die Erfahrung mit Gruppenaufstellungen, am
besten auch mit einer persönlichen Familienaufstellung in eine 
Gruppe, die Beobachtungen von Systemaufstellungen in Gruppen
oder einen Eindruck von ihnen über Videos, nicht unbedingt aber
das eigene Arbeiten mit Aufstellungen in Gruppen. Ich kenne Therapeuten
und Berater, die mit Figuren arbeiten, ohne je selbst Aufstellungen
in Gruppen geleitet zu haben. Ich kenne niemanden, der mit
 Figuren arbeitet, ohne je eine Aufstellung in der Gruppe gesehen zu
haben.
Ich möchte nun im Folgenden berichten, wann eine Figurenaufstellung
angebracht ist, wie ich in Einzelsitzungen vorgehe, wenn ich
eine Figurenaufstellung benütze, wie ich sie für den Klienten anleite,
wie ich im einzelnen mit der Figurenaufstellung arbeite. Dann werde
ich auf Risiken und Chancen der Figurenaufstellung eingehen und
schließlich etwas sagen zu Figurenaufstellungen und „Seelenarbeit“
und dem Wert, den dabei das methodische Vorgehen hat.


Der therapeutische „Sitz“ von Figurenaufstellungen

Man kann die Lösungsprozesse, um die es in Beratung und Therapie
geht, auf folgende Weise unterscheiden: Da sind zunächst die Probleme,
die sich durch Verhaltensänderung, durch Lernen, durch Kreativität
und durch Spiritualität lösen lassen, gewissermaßen durch
eine Art von geistiger Aktivität, die von blockierendem Denken und
Handeln löst.
Dann gibt es den Bereich des Traumatischen, die seelischen
 Verwundungen, die meist mit einer Unterbrechung der liebenden
Hinbewegung zur Mutter, zum Vater, zu anderen lebenswichtigen
 Bezugspersonen und zum Leben überhaupt verbunden sind, und die 
sich meist in der frühen Kindheit ereignet haben. Sie lassen sich lösen
durch in der Seele rückwirkend heilende Prozesse zwischen einer
lebenswichtigen Bezugsperson und dem Kind. 
Und schließlich gibt es den weiten Bereich von Bindung und
Lösung in Beziehungen. Probleme ergeben sich durch die tiefe Einbindung
in Schicksalsgemeinschaften, vor allem die der Familie und
Sippe, und ihre Folgen, und Lösungen ergeben sich durch die Einsicht
in die „Ordnungen der Liebe“.Die Aufstellungsarbeit bezieht sich auf die seelischen Prozesse
von Bindung und Lösung. Lösungen ergeben sich hier im Blick auf 
das ganze Beziehungssystem: daß jeder ebenbürtig dazugehören
darf und den ihm gemäßen Platz einnehmen kann, daß jeder sein
Schicksal selbst trägt, daß jeder verzichtet, in das Schicksal anderer
einzugreifen, daß jeder vorbei sein läßt, was vorbei ist. Es geht um
Leben und Tod, um Glück und Unglück, Gesundheit und Krankheit,
um gelingende und scheiternde Beziehungen, um Dazugehören und
 Ausschluß, um Geben und Nehmen, um Ausgleich und Schuld, um
persönliche Bestimmung und Stellvertretung.
Damit sind im wesentlichen auch die Kriterien angegeben, wann
eine Familienaufstellung als hilfreiche Methode angezeigt ist: immer
dann, wenn in der „Gruppenseele“ etwas in Ordnung, in Frieden, zu
Ende kommen muß, wenn Verstrickungen eine Lösung behindern,
 wenn schwere Familienschicksale belasten.

Das Vorgehen in einer Beratungs- oder Therapiestunde
mit Figurenaufstellung

Viele Therapeuten und Berater werden eine Familienaufstellung mit
Figuren in ihre Art zu arbeiten und in ihr therapeutisches Grundverständnis
integrieren. Ich selbst arbeite bei Fragen von Bindung
und Lösung meist nur mit einer einzigen Sitzung, und die ganze
Arbeit konzentriert sich auf die Figurenaufstellung. Hier gibt es aber
sicher einen großen Verfahrensspielraum.
 Folgende Elemente sind für das Vorgehen bei einer Figurenaufstellung
wichtig: Wie bei einer Aufstellung in der Gruppe muß auch
die Aufstellung in einer Einzelsitzung von einem ernsthaften Anliegen
und der Kraft des Klienten getragen sein. Der Therapeut ist auf
diese zur Lösung drängende Energie und das „seelische Gewicht“
der Frage des Klienten angewiesen, um helfen zu können. Deshalb ist
die Frage nach dem Anliegen und nach dem, „was Gutes aus dem
 Gespräch herauskommen soll“, der Ausgangspunkt, dessen Klarheit
und Kraft über den „Erfolg“ einer Familienaufstellung vorentscheidet.
 Der Therapeut und der Klient müssen gleich zu Anfang wissen,
worauf sie ihre Energie richten. Es muß für beide etwas von der 
„Gruppenseele“ spürbar sein, die sie im Bemühen um eine gute
Lösung trägt. Nun ist das eigentliche Anliegen des Klienten und seine auf die 
Lösung wirkende Kraft häufig am Beginn einer Einzelstunde noch
verdeckt. Es bedarf einer Hinführung zur Aufstellungsarbeit und
den sie tragenden seelischen Prozessen. Diese Hinführung muß eher
kurz sein, sofort wegführen von Nebensächlichem und Ablenkendem, 
die Aufmerksamkeit und Spannkraft auf die grundlegenden
familiären Prozesse lenken und Vertrauen schaffen für die gemeinsame
 Arbeit. Meist gebe ich kurze Hinweise zu meiner Arbeitsweise,
zu Verstrickungen in Familiensystemen und Krisen in Beziehungen
und zu den Dingen, worauf ich schauen werde. Wenn ich schon eine
Ahnung habe, wohin die „Reise“ geht, erzähle ich vielleicht auch
gleich eine oder mehrere „passende“ Fallgeschichten. Gibt es noch
kein Gefühl für eine Richtung der Arbeit, hilft manchmal eine offene
und öffnende Mischung von kurzen Fallbeispielen und die Wahrnehmung
der Reaktionen des Klienten darauf.
 Die Grundlage für die lösenden Schritte mit Hilfe einer Aufstellung
bilden die dafür relevanten Informationen: die wichtigsten 
Ereignisse in der Geschichte der Gegenwartsfamilie und/oder der Herkunftsfamilie und die Schicksale in der Familie und Sippe. Diese
Informationen und die Art, wie der Klient sie mitteilt, führen oft
schon zu einer tiefen Berührung durch das Beziehungssystem und
einem ersten Aufblitzen der in ihr wirkenden Liebe, Verstrickung
und Würde. Oder man spürt gleich, welche Informationen eher Kraft
haben oder eher nicht und ob Wichtiges nicht erwähnt wird oder
dem Klienten entscheidende Informationen fehlen. 
Dieser Informationsprozeß ist ein dialogischer Prozeß. Er braucht
den Kontakt von Klient und Therapeut mit der „Gruppenseele“. Er
lebt vom Wesentlichen. Er dient von vornherein der Lösung. Er gelingt
nur mit Achtung und Einverständnis im Blick auf die Ereignisse und
 Schicksale, um die es geht. 
Im Zentrum der systembezogenen Arbeit stehen dann die Figurenaufstellung
selbst, das Finden der oder besser das Sich-berührenlassen 
von der Dynamik des Beziehungssystems, die Veränderung
der „Plätze“ der Figuren zu einem „Lösungsbild“ und das Aussprechen
der gemäßen Bindungs- und Lösungssätze.

Die Anleitung zur Figurenaufstellung

Wenn Personen Familienaufstellungen in Gruppen schon einmal
erlebt oder gesehen haben oder sie von Büchern oder Videos von Bert Hellinger her kennen, brauchen sie für die Figurenaufstellung kaum
eine Anleitung, und man kann sie gleich bitten, ihre Familienmitglieder
mit den Figuren aufzustellen. Dennoch beziehe ich mich meist
auch bei ihnen wie bei Personen, für die eine Familienaufstellung
unbekannt ist, auf die Aufstellungsarbeit in Gruppen und erzähle
kurz, wie eine Aufstellung in der Gruppe abläuft. Zumindest für
mich erleichtert es die Arbeit, wenn ich mit Figuren wie in einer
 Aufstellung mit Stellvertretern arbeite. 
Nach dieser Verbindung des Figurenaufstellens mit der Gruppenaufstellung
lege ich mit dem Klienten fest, welche Personen für
die Aufstellung wichtig oder zunächst wichtig sind, und lege die
dafür nötigen Figuren auf das Tischchen. Dann bitte ich ihn, die 
Figuren zueinander in Beziehung zu stellen, wie es seinem inneren 
Bild entspricht, ohne Zeit, ohne Gründe, so, daß es gefühlsmäßig
irgendwie stimmt, und ohne zu sprechen oder etwas zu erklären.
Normalerweise stellen die Klienten dann problemlos auf.
Wenn Schwierigkeiten auftauchen, sind diese meist nicht anders
als in der Gruppe. Es ist vielleicht nicht der rechte Zeitpunkt zum
Stellen, die innere Bereitschaft fehlt, das Vertrauen in die Methode
oder den Therapeuten fehlt, es steht eigentlich das Stellen eines
anderen Beziehungssystems an, zum Beispiel des Herkunftssystems
statt des Gegenwartssystems oder umgekehrt.
 Hier zeigt sich freilich ein großer Nachteil der Einzeltherapie
gegenüber der Gruppenarbeit. In der Gruppe kann ich zuerst mit 
Personen arbeiten, die bereit sind. Die Zurückhaltenden und Zweifelnden
und Unentschiedenen können über die Prozesse bei den
anderen und das Aufgestelltwerden in fremden Familiensystemen
langsam in diese Arbeit hineinkommen und sich in ihrem inneren
 Prozeß mehr Zeit lassen. Fällt es jemandem schwer, die Figuren in
Beziehung zueinander zu stellen, stelle manchmal ich für den Klienten,
nach meinem Gefühl von den Informationen her, und bitte den
Klienten, meine Aufstellung zu korrigieren. Manchmal muß man
auch jemanden bitten, die Aufstellung noch mal zu überprüfen,
wenn der Eindruck entsteht, es wurde vom Kopf her gestellt, oder 
die Aufstellung stimmt irgendwie nicht mit den Informationen überein,
oder jemand hat alle Personen in einer Linie zu sich selbst hingestellt, 
wie er da am Tisch sitzt.
 Letzteres kommt immer wieder vor, läßt sich aber leicht korrigieren, 
wenn man darauf hinweist, daß man ja selbst als Figur mit dabei ist und daß die Aufstellung die Beziehung von jedem zu jedem in der
Familie wiedergeben muß.

Die Arbeit mit der Figurenaufstellung

Die Figurenaufstellung dient dazu, daß die Verstrickung des Klienten
innerhalb seines Familiensystems ans Licht kommt, daß Bindung
und Lösung für ihn offenkundig werden, daß er den rechten Platz im
Beziehungssystem einnehmen und von dort aus Vater und Mutter
nehmen, achten und lieben kann, daß er mit Liebe gehen lassen kann,
wen er ziehen lassen muß, und in das System und sein Herz hereinnimmt, 
wer ausgeschlossen war und dazugehört. 
Die bindende und lösende Dynamik muß also über die Figurenaufstellung
deutlich werden. Nun fehlen hier die Protagonisten mit
ihren Gefühlen und Mitteilungen. Die Figuren fühlen nicht und
 sprechen nicht. Es ist nun Aufgabe des Therapeuten oder Beraters, 
sich über die Figurenkonstellation in das System einzufühlen und 
die Gefühle zum Ausdruck zu bringen, die die Familiendynamik
wiedergeben. 
Man kann natürlich auch den Klienten bitten, das selbst zu tun.
Auch das ergibt manche Aha-Effekte. Meiner Erfahrung nach ist aber
der Klient in den wesentlichen Dingen der Familiendynamik blind. 
Er bringt zwar ein unbewußtes Wissen mit, sonst könnte er nicht so
stellen, wie er stellt, und auch der Therapeut könnte sich nicht
einfühlen. Aber er bringt dieses Wissen auf verborgene Weise mit,
 und die Aufgabe des Therapeuten ist es, als Außenstehender sich der 
Gruppenseele des Klienten so zu öffnen, daß das Verborgene sich
ihm zeigt und ausgesprochen werden kann. 
Da ich das „Vorbild“ der Gruppenaufstellung von vornherein
anspreche, beziehe ich mich auch in der Wiedergabe der Familiendynamik
auf die Gruppe und spreche aus, wie man sich als fremde
Person in der Rolle des jeweiligen Familienmitglieds auf dem gestellten 
Platz fühlt. Ich gebe also nicht wieder, wie sich die Familienmitglieder
des Klienten auf den gestellten Plätzen fühlen, sondern was
Stellvertreter vermutlich fühlen. Ich treffe diese Unterscheidung,
 weil sie dem Klienten etwas Distanz zu dem vordergründigen Erleben
seiner Familienmitglieder gibt, weil sie mich und den Klienten in
der Wahrnehmung und in der Annahme des Gesehenen freier läßt
und weil sie mir leichter die Möglichkeit gibt, Äußerungen zu korrigieren und Widerstände zu umgehen. Trifft und berührt das, was ich
zu der Familiendynamik und den Gefühlen der Rollenträger sage, ist
 der Klient ohnehin wie in einem mehr oder weniger tiefen Tranceprozeß
 bei seiner Familie.
Während ich spreche, nehme ich die Reaktionen des Klienten
wahr. Manchmal frage ich auch zurück, ob mein Empfinden stimmig
ist und Sinn macht. Gelingt es mir, mich richtig in das gestellte 
System und seine Dynamik einzufühlen, habe ich den Klienten
 „gewonnen“, und es steht der Arbeit auf eine gute Lösung hin meist 
nichts mehr im Wege. Nicht selten sagt dann der Klient erstaunt: 
„Woher wissen Sie das?“ 
Im nächsten Schritt arbeite ich mit den Figuren weiter wie in
einer Gruppenaufstellung. Ich verändere die Stellung der Figuren, 
gebe die veränderte Dynamik und die veränderten Gefühle wieder,
 bis ans Licht kommt, was ans Licht möchte, und bis hin zur Lösungsaufstellung.
 Bin ich mir sicher durch meine eigene Berührung und
 die des Klienten, bleibe ich einfach bei dem, was sich mir zeigt, und
 gebe es wieder. Bin ich mir nicht sicher, unterbreche ich immer
wieder diesen Prozeß. Ich frage zurück, was der Klient fühlt, wenn er
 die Bewegung der Figuren für sich und die Familienmitglieder mitvollzieht,
frage nach weiteren Informationen oder probiere andere
Stellungen der Figuren aus, welche vielleicht stimmiger sind, bis sich
die Dynamik und die Lösung klar genug zeigen.
 Ich bitte den Klienten, daß er sich in den Lösungsplatz einfühlt,
 und frage ihn, wie es ihm dabei geht. Ich achte darauf, ob dieser Platz
ihn erleichtert und sich in ihm lösend oder heilsam oder wohltuend
widerspiegelt. Manchmal beende ich dann die Arbeit mit der Figurenaufstellung.
 Häufig, vor allem wenn es noch Probleme gibt, den neuen Platz 
im System einzunehmen, oder die Lösung noch nicht „greift“, oder 
es zu ihrer Vertiefung und Ergänzung nötig erscheint, gebe ich dann
die Sätze wieder, die ich den Klienten in einer Gruppenaufstellung
sagen lassen würde, wenn er statt des Stellvertreters selbst in sein
System hineingestellt wird, oder die ich die Stellvertreter zum Klienten
hin sprechen lassen würde.
 Häufig ist das der wichtigste Teil im Prozeß der Figurenaufstellung
 (wie auch bei einer Aufstellung in der Gruppe): die Berührung
durch die Sätze, in denen die Bindung ans Licht kommt, und die 
Erleichterung und „Erlösung“ in den Sätzen der Kraft. Häufig bitte ich auch den Klienten, die entsprechenden Sätze innerlich oder auch 
laut zu sprechen oder im inneren Bild oder manchmal auch direkt die 
Gesten, zum Beispiel eine Verneigung, zu vollziehen.
Treffe ich in meiner Einfühlung die Dynamik des Systems nicht,
 bekomme ich kein Gefühl für die in den Figuren gestellten Familienangehörigen
und die Dynamik des Systems, oder bleibt der Klient
völlig unbetroffen von meinen „Bildern“ in Bezug auf sein Beziehungssystem,
 dann unterbreche ich den Prozeß der Figurenaufstellung,
 sammle weitere Informationen, erzähle Geschichten oder
 breche auch ab.

Risiken und Chancen der Figurenaufstellung

Die Gefahren der Figurenaufstellung und die Fehler, die man mit ihr
 machen kann, sind zunächst die gleichen wie bei einer Aufstellung in
der Gruppe:

 


– daß man ohne wirkliche Bereitschaft und Kraft des Klienten
arbeitet;


– daß man sich von einer Schematik leiten läßt, die das jeweils
andere und Neue einer Aufstellung nicht in den Blick kommen
läßt;


– daß man mit zuviel Informationen arbeitet oder die entscheidende
Information nicht hat;


– daß man sich von visuellen Mustern und von Assoziationen
leiten läßt und so nicht in Einklang mit der Seele kommt. 


 

Das entscheidende Manko gegenüber einer Aufstellung in der Gruppe
besteht darin, daß für den Therapeuten oft erst über die manchmal
sehr überraschenden Aussagen der Protagonisten die Systemdynamik
einfühlbar wird. Vor allem bei schwierigen Fällen, unerwarteter
und „neuer“ Dynamik fällt das ins Gleichgewicht. Will zum
 Beispiel einer im System stellvertretend für einen anderen gehen,
 wird das oft nicht gleich über die Konstellation deutlich, und erst die
 Aussagen der Protagonisten geben vielleicht darauf einen Hinweis.
 Hat der Therapeut eine entsprechende Vermutung, kann sie in der 
Gruppe leichter überprüft werden, zumal die Energie und Beteiligung
der die Aufstellung verfolgenden Gruppenmitglieder oft einen
ganz wichtigen Hinweis auf die Stimmigkeit solcher Vermutungen
bieten. Diese Schwierigkeit der Figurenaufstellung gegenüber der Aufstellung
in der Gruppe ist aber nicht fundamental. Die Dynamik in der
Gruppenseele eines Klienten öffnet sich ja auch in der Gruppe nicht
von den Rollenträgern, sondern von der Seele des Klienten her. Und
auch in der Einzelsitzung gibt es das Erlebnis der „Kraft“, die spürbar
wird, wenn eine Vermutung etwas Wirkliches ans Licht bringt. 
Letztes Kriterium bleibt die „Stimmigkeit“ und die Berührung
von Therapeut und Klient, die auch bei der Figurenaufstellung oft
erstaunlich ist. Der Therapeut sieht die Lösung, wenn sie aufscheint, 
in der unmittelbaren Wahrnehmung des Klienten. Wahrnehmung
bedeutet das Nehmen dessen, was sich aus dem Verborgenen heraus
offenkundig macht. Der altgriechische Wortsinn von Wahrheit heißt
 „Unverborgenheit“. Was löst, kommt meist unerwartet und berührt,
es kommt eher leise und dient dem Handeln und dem Frieden. Es
würdigt alle und kommt allen im System zugute.
 Die Figurenaufstellung bietet auch eine Chance gegenüber der
Gruppenaufstellung, und zwar immer dann, wenn der Berater oder 
Therapeut sich den Gruppenprozessen nicht gewachsen fühlt. Und
 ohne klaren Blick, genaue Wahrnehmung und bestimmtes Führen
des Therapeuten kann die Aufstellung in der Gruppe auch eine
Eigendynamik bekommen, die dem System des Klienten dann nicht
mehr gerecht wird. Auch die Gefahr, daß Stellvertreter zu sehr ihre
 eigene Problematik einbringen, wird mit der Figurenaufstellung
vermieden, freilich um den Preis, daß Vorurteil und „Blindheit“ des
Therapeuten weniger Korrektur erhalten und der Therapeut dem
manchmal beträchtlichen „Sog“ des Klienten im Einzelsetting stärker 
ausgesetzt ist.

Figurenarbeit und Seelenarbeit

In Gruppenaufstellungen „schwingen“ die gestellten Personen mit
der Seele des aufgestellten Systems mit. Das können Figuren nicht.
Sie bleiben Dinge, etwas Vorgestellt-Bildhaftes. (Figuren muß man
nicht bitten, aus der Rolle wieder herauszugehen).
 Nun kann man sich auf die Figurenaufstellung als Bilderarbeit 
beschränken. So war das bei mir die ersten Jahre. Die Figurenarbeit
bildete dann eine visuelle Brücke, eine Anschaulichkeit für das,
worüber geredet wurde, eine viele indirekte Suggestionen ermöglichende
Methode. Und das ist oft schon sehr hilfreich. Aber die Figurenaufstellung kann mehr leisten. Es ist erstaunlich, wie schnell
sie für die Seele einen Raum herstellt, in dem die Gruppenseele
 „schwingt“, so daß Klient und Therapeut mitschwingen können.
Aufstellungsarbeit ist ja keine bloße Bilderarbeit; sie wirkt so berührend
und bewegend, weil sie Bildern „Raum“ gibt. „Raumbilder“
unterscheiden sich von „flachen Bildern“ nicht nur darin, daß sie für
Beziehungen die richtige Dimension herstellen, sondern vor allem
darin, daß aus ihnen etwas – schwer zu Beschreibendes – „aufsteigen“ 
kann, was sich dem bloßen Betrachten entzieht. Was sie herstellen,
ist vielleicht so etwas wie ein „Schwingungsfeld“.
Und so kommen in der Figurenaufstellung nicht in, aber über die 
Figuren, Klient und Therapeut in ein Einschwingen mit der Gruppenseele
und ihrer Dynamik. Gleichzeitig erleichtert die Figurenaufstellung
einen therapeutischen Prozeß, der „außen“ abläuft und
 hinausführt aus der „Innerlichkeit“ von Gedanken und Vorstellungen.
Sie ist näher an der Wirklichkeit als das bloße „Sprechen über“. 
Die überraschend tiefe Berührung auch in der Arbeit mit Figuren
ergibt sich freilich nicht nur über die Aufstellung. Das „Schwingende“
ist verbunden mit dem Wort: mit Worten, die etwas stimmig
wiedergeben, mit Worten, die Klarheit schaffen, mit Worten der
Bindung und Worten der Lösung, mit Worten der Liebe und der
Kraft. Und die tiefe Berührung ergibt sich in Gesten, dem körperlichen
 Ausdruck der Bewegung in der Seele.
Figurenarbeit wirkt in der Tiefe nur, wenn sie sich über das 
Bildhafte hinaus auf „Beziehungsfelder“ und deren Kräfte einläßt
und sich lösenden und heilsamen Dialogen und Gesten öffnet. 


Vom Wert der Figurenaufstellung als Methode

Wer Verständnis hat für die tiefgreifenden Prozesse in Familiensystemen
und in der Seele, der kann im Grunde auch ohne Aufstellung,
 sei es in der Gruppe oder mit Figuren, auf Lösung hin arbeiten,
 allein vom Wissen um die wesentlichen Ereignisse und Schicksale
her, im tiefen Mitschwingen mit der Seele dessen, der Hilfe sucht,
und im Suchen von „Einsicht“. (Einsicht ist eigentlich ein das Bewußtsein
klärender Tranceprozeß.)
Normalerweise erleichtert aber eine Methode sowohl dem Therapeuten,
 als auch dem Klienten die Wahrnehmung dessen, was
wesentlich und wichtig ist. Sie bündelt Informationen, strukturiert das Vorgehen und konzentriert die Aufmerksamkeit. Über die Methode
der Aufstellung können sich Klient und Therapeut leichter als
 auf einem gemeinsamen Weg befindlich erfahren, auf dem sie sich
dem öffnen, was sich aus der Verborgenheit heraus zeigen möchte.
 Sie wirken zusammen, am „Ort“ der Seele des Klienten, und nur so
lange, wie es für die Lösung nötig ist. Mit dem Erlebnis der Figurenaufstellung
und über das Lösungsbild nimmt der Klient etwas „nach 
Hause“ mit, das weiter in seiner Seele wirkt und oft erst mit der Zeit
seine eigentliche Wirkung entfaltet.
 Vielleicht ist es wie bei einem Theaterstück. Es kann mich schon
beim Lesen fesseln. Und doch ist die Aufführung im Theater meist
die tiefere und eindrücklichere Erfahrung, solange sie dem Wesentlichen
des Stückes und der Wirklichkeit und der Läuterung des
 Zuschauers dient und „stimmig“ gespielt wird.

 


Dieser Artikel ist erschienen in:


Weber, Gunthard (Hrsg.) (2000): Praxis des Familien-Stellens. Beiträge 
zu systemischen Lösungen nach Bert Hellinger.

Heidelberg (CarlAuer-Systeme),
 3., überarb. Aufl. 2000: S. 182–193.